Zum Hauptinhalt springen
  • Artikel aus dem März Rundschreiben 2021

    DIE HÄUFIGSTEN URSACHEN FÜR TODESFÄLLE BEI NEUGEBORENEN

    Gesunde und vitale Lämmer und Kitze bereiten Freude und sind die Grundvoraussetzung für die wirtschaftliche Lämmerproduktion und erfolgreiche Nachzucht. Ausfälle von 5-10 % kommen auch bei gutem Management vor - die Ursachen dafür sind vielfältig.

    KOLOSTRUMMANGEL

    Neugeborene Lämmer und Kitze kommen ohne funktionierendes Immunsystem zur Welt. Erst durch das Kolostrum des Muttertieres erhalten diese lebenswichtige Antikörper. Hier gilt der Grundsatz: Je rascher und je mehr Kolostrum aufgenommen wird, umso besser!
    Deshalb sollten sowohl das Neugeborene als auch das Muttertier nach der Geburt aufmerksam beobachtet werden um die Kolostrumaufnahme sicherzustellen.  Die ersten Strahlen des Kolostrums sind oft dickflüssig und können den Strichkanal verschließen. Es ist deshalb wichtig, das Euter und beide Zitzen nach der Geburt zu kontrollieren und ein paar Strahlen Kolostrum abzumelken. Verschmutzte sowie lange Wolle der Muttertiere am Bauch, Euter oder in der Leistengegend erschwert die Suche nach den Zitzen und kostet den Lämmer viel Energie. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich die Lämmer an der Wolle festsaugen. Es wird daher empfohlen, die Mutterschafe zwei Monate vor der Geburt zu scheren.

    Für den Fall, dass das Muttertier verendet oder kein Kolostrum produziert, sollte tiefgefrorenes Kolostrum vorhanden sein. Zum Einfrieren eignet sich überschüssiges Kolostrum von Schafen, welche 2-3 mal gelammt haben und sich schon über einen längeren Zeitraum am Betrieb befinden. Das Kolostrum sollte abgemolken und in kleinen Plastikflaschen (100 – 500ml) abgefüllt und eingefroren werden. Das Auftauen des Kolostrums erfolgt im Wasserbad bei 35 bis 38°C – das Kolostrum darf nicht über 40°C erhitzt oder in der Mikrowelle aufgetaut werden, da die Antikörper dadurch zerstört werden. 
    Alternativ kann auch Kuh-, Ziegenkolostrum oder ein Kolostrumersatzpräparat (z.B. Premium Lamm KOLOSTRUM®)  verwendet werden. Wichtig ist jedoch, dass nur Kolostrum von gesunden Muttertieren verwendet wird! 


    Das Fassungsvermögen des Magens ist bei neugeborenen Lämmern und Kitzen noch gering, daher sollten bei Zufütterung die untenstehenden Mengenangaben beachtet werden.

    Grundsätzlich ist zu beachten, dass ein Muttertier eine ausreichende Kolostrumbildung nur gewährleisten kann, wenn die Trockenstehzeit mindestens 6 Wochen beträgt. Das Grundfutter sollte in den letzten Wochen der Trächtigkeit die beste Qualität vorweisen – die Mineral- und Spurenelementversorgung ist dabei besonders wichtig und muss über Mineralfutter, Mineralecksteine, Mineralleckmassen oder Mineralstoffboli sichergestellt werden. Ein Mineralstoffmangel, vor allem Selen- oder Jodmangel, kommt bei Muttertieren häufig vor und beeinträchtigt neugeborene Kitze und Lämmer. Ein Selenmangel äußert sich durch Saug-, Schluckschwächen sowie Schwierigkeiten beim Stehen. Ein Jodmangel ist am Kropf erkennbar. Wenn die Neugeborenen durch einen Mangel lebensschwach und saugschwach sind, können sie nicht genügend Kolostrum aufnehmen.

    Durch die Eingabe von Vitamin E-Selenpräparaten (z.B. Chevivit® oder Schaf & Lamm BOOSTER®) direkt ins Maul der Lämmer und Kitze nach der Geburt, werden saugschwache Lämmer bei bestehendem Selenmangel deutlich fitter. 

    Kolostrummangel hat auch Spätfolgen. Betroffene Tiere haben eine mangelhafte Ausbildung des Immunsystems und eine damit verbundene höhere Anfälligkeit auf Krankheiten. Dies zeigt sich bereits in den ersten Lebenswochen – die Tiere kümmern oder verenden plötzlich ohne ersichtlichen Grund.



     

    UNTERKÜHLUNG & ENERGIEMANGEL

    Wurde das Muttertier während der Trächtigkeit optimal versorgt, hatte das Lamm oder Kitz bereits im Mutterleib die Möglichkeit körpereigene Fettreserven anzulegen. Diese stehen dem Neugeborenen während der ersten Lebensstunden zur Verfügung. Kommt es zu verminderter Aufnahme von Kolostrum, fehlt dem Neugeborenen Energie und die Fettreserven können nicht aktiviert werden. In Folge kann die Körpertemperatur nicht mehr aufrechterhalten werden und Unterkühlung und Energiemangel treten ein. Die Wärmeregulation von Neugeborenen hängt daher stark von der Milchaufnahme ab.

    Bei lebensschwachen Neugeborenen muss unbedingt die innere Körpertemperatur gemessen werden. Eine Unterkühlung tritt bei Neugeborenen etwa 5 Stunden nach der Geburt auf. Man spricht von einer Unterkühlung, wenn die rektale Temperatur unter 39,0°C sinkt – in diesem Fall muss das Lamm oder Kitz schnellstmöglich gewärmt und Kolostrum eingeflößt werden, eventuell auch mit einer Magensonde. Bessert sich der Zustand des Lammes oder Kitzes nicht, muss ein Tierarzt hinzugezogen werden. 

     
    Um Lämmer oder Kitze schnellstmöglich zu wärmen, empfiehlt sich Mineralwasserflaschen mit sehr warmen Wasser zu füllen, mit einem Handtuch zu überziehen und das Lamm daraufzusetzen. Dadurch wird das Lamm schneller gewärmt als durch eine Wärmelampe.

    Von Unterkühlung sind besonders Lämmer und Kitze mit geringen Geburtsgewichten (< 4 kg) sowie Neugeborene betroffen, welche vom Muttertier kaum abgeleckt wurden. Um einer Unterkühlung von Neugeborenen vorzubeugen muss der Stall ausreichend und trocken eingestreut und frei von Zugluft sein – zur Überprüfung sollte man sich auf Ebene der kleinen Lämmer begeben, das heißt auf den Boden knien.


    Routinemäßig ist eine  Nabeldesinfektion zu empfehlen um Infektionen zu vermeiden.
    Dazu den Nabel in jodhaltigen Desinfektionsmittel (z.B. Belaisdona®) tränken und ausstreichen, damit dieser schnell abtrocknet. 

    Eine lebensrettende Maßnahme für saugschwache Lämmer oder Kitze und jene ohne Schluckreflex ist die Fütterung mittels Magensonde. Die Fütterung mittels Spritze direkt ins Maul ist nicht zu empfehlen, da sich diese an dem Kolostrum oder der Milch verschlucken können.

    Magensonden, oftmals Lämmerretter genannt, sind bei Futtermittelhändlern erhältlich oder können selbst zusammengestellt werden. Dazu wird eine große Spritze (50-100 ml ohne Nadel und Kolben) und ein Blasenkatheter benötigt. Der Blasenkatheter wird am Lamm abgelängt - dieser muss vom Maul, den Hals hinunter bis zur Mitte des Bauches reichen. 

    Die Fütterung  mittels  Magensonde wird solange fortgesetzt, bis die Lämmer wieder selbstständig Milch aufnehmen.
    Die sachgerechte Handhabung ist sehr wichtig, da dem Lamm oder Kitz sonst Schäden und Verletzungen zugefügt werden können.


    Für den Notfall sollte man sich die Handhabung vom Tierarzt zeigen lassen oder das Erklärungsvideo auf unserer  Facebook-Seite anschauen.